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Pro Tipp des Monats Juni
9. Juni 2018

Der Pro-Tipp des Monats

…schneller Lernen mit langsamen Bewegungen oder wie man am besten seine Schwungtechnik umstellt.

Kennst Du das: Die Videoanalyse zeigt deinen Schwungfehler und Du weisst genau wie Du schwingen sollst, doch der nächste Schwung sieht auf dem Video genau gleich aus – keine Verbesserung erkennbar. Woran liegt das?

Im Gehirn befinden sich Synapsen, die die Bewegung steuern, je häufiger wie eine Bewegung ausführen, desto dicker wird die Synapsenverbindung und desto automatischer/unbewusster kann die Bewegung ausgeführt werden.

Ein Beispiel dafür sind alle Vorgänge beim Autofahren. Einst in der Fahrschule mussten alle Bewegungen gelernt werden und wir waren oft überfordert. Heute geht alles automatisch: Schalten, Lenken, Blinken, Umsicht usw. Durch das ständige Wiederholen der Bewegungen ist unser handeln automatisiert und wir sind so gut, dass wir neben dem Autofahren noch Dinge machen, die wir evtl, lassen sollten, wie z.B. eine sms tippen….

Wenn ich meine Golfbewegung verändern möchte müssen neue Synapsenverbindungen „verschaltet“ werden. Dies erreiche ich am besten nach folgenden Prinzipien:

  1. von der kleinen Bewegung zur grossen
  2. vom bekannten zum unbekannten
  3. vom langsamen zum schnellen.

Der neue Schwung kann also zunächst nicht im normalen Tempo und Umfang durchgeführt, sonst läuft die Bewegung über die dicken „automatisierten“ Synapsenverbindung ab.

Um eine neue Teilbewegung zu lernen hilft Dir eine klare Bewegungsvorstellung, eine langsame Bewegungsausführung und ständiges wiederholen der Bewegung. Besonders hilfreich ist das wiederholte Anschauen Deiner Videoanalyse.

Zum schnellen Lernen empfehle ich Dir folgende Übung. Sie nennt sich Tai Chi Golf und ist angelehnt an den Bewegungsfluss und – Geschwindigkeit der asiatischen Kampfkunst. Langsam und sehr kontrolliert. Am Ende dann völlig automatisiert und von innen heraus. Dabei musst Du Deinen „neuen“ Golfschwung in absoluter Zeitlupe ablaufen lassen, um den Schläger und Körper ganz bewusst zu bewegen und jede einzelne Teilbewegung zu spüren.

 

Wenn s in Zeitlupe nicht klappt – wie soll es dann schnell gelingen?

Dabei tun sich auch für mich als beobachtenden Pro immer wieder erstaunliche Dinge und unbekannte Baustellen im Schwung auf. Besonders im Durchschwang nach dem Treffen herrscht häufig eine grosse Unsicherheit. Warum kann ich nur vermuten. Vielleicht weil für viele Golfer, die Bewegung mit dem Balltreffen zu Ende ist?

Dabei hilft eine gute Vorstellung des Durchschwingen, den Abschwung konstant gut ablaufen zu lassen. Eine Studie konnte zeigen, dass bessere Golfer eine Bildserie mit 20 Einzelbildern des Schwunges bzgl. der Reihenfolge des Schwungablaufs besser zuordnen als schlechtere Spieler. Man kann also sagen: je genauer die Bewegungsvorstellung, desto genauer die Ausführung.

Zuerst ohne Ball

Zu Beginn solltest Du viele Tai Chi Schwünge ohne Ball durchführen. Die ersten Tai Chi Schwünge werden meist zu schnell durchgeführt und es dauert, bis eine absolute Kontrolle über diese langsame Bewegung vorhanden ist. Deine Konzentration bei dieser Übungsform muss sehr hoch sein. Du wirst aber merken, wie sicher Du nach einiger Zeit wirst. Die Erfolge sind phänomenal, da Du wirklich jeden einzelnen Teilaspekt des Golfschwungs bewusst durchläufst oder vielmehr durchschwingst und so erst merkst, wie Du bestimmte Bewegungen umsetzen kannst (oder auch noch nicht :-)).

Augen zu!

Schliesse die Augen! Das verstärkt das innere Abbild der Bewegung noch einmal. Zu Beginn wirst Du dabei bestimmt das Gleichgewicht verlieren. Lass Dich davon aber nicht abhalten. Mach weiter! Und zwischendurch eine Pause!

Zum üben mit Ball empfehle ich die 30-60-90 Regel. Die ersten Schläge führst Du mit 30% Tempo durch. Ist die Bewegung gefestigt, steigerst Du Dich auf 60% Prozent der normalen Geschwindigkeit. Ganz am Ende sollte die neue Bewegung mit einem 90% Tempo umgesetzt werden können.

Aus meiner Sicht solltest Du Schläge mit einem 100% Tempo gar nicht durchführen. Der Kontrollverlust ist zu hoch. Nimm Tempo raus und treffe den Ball genauer im Sweetspot.

5 goldene Regeln für Schwungumstellungen:

  1. gebe Dir eine klare und deutliche Bewegungsanweisung
  2. nur auf einen Bewegungsaspekt konzentrieren
  3. eine ruhige Umgebung suchen
  4. Feedback von aussen holen (Video)
  5. zu Beginn nur Schwünge ohne Ball durchführen

Viel Spass beim Training

Ralf Lehmann